Tierärzte: Der schmale Grat zwischen Geschäft und Berufung

Was macht einen guten Tierarzt für mich aus? Er mag Tiere, steht wenn möglich auch im Notfall zur Verfügung und ist kompetent. Er wird immer  nach der Ursache suchen und sich niemals mit reiner Symptombekämpfung zufrieden geben. Soweit die Theorie. Bei einem kranken Hund kann die Suche nach genau so einem Tierarzt allerdings auch Jahre in Anspruch nehmen...

Meine Hündin Coco hat IBD, eine chronische und unheilbare Magen- und Darmtrakt-Entzündung. Sie litt damals fast monatlich an Erbrechen, verlor Gewicht und verweigerte teilweise die Nahrung. Schübe, die wie ich jetzt weiß, Teil dieses Krankheitsbildes sind. Bis es endlich zu einer Diagnose kam, hatten wir mehr als ein Jahr mit den unterschiedlichsten Tierärzten verschwendet und selbst für einen Laien wie mich teils fragwürdige Behandlungen hinter uns. Diagnose gab es keine. Dafür verließ ich die Tierarztpraxen meist mit einem mit Antibiotika vollgepumpten Hund, Darmsanierungsmitteln und Säcken voll Spezial-Trockenfutter, die ich meinem Hund am besten gleich lebenslang verabreichen sollte. Sicherheitshalber. Wie viele Injektionen gegen ihre angebliche Magen- Darmgrippe Coco in diesem Jahr über sich ergehen lassen musste, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Auch diverse Blutuntersuchungen brachten keine Klarheit.

 

Bei unserem ersten Versuch, der Krankheit endlich einen Namen zu geben, sind wir in die Fänge eines überaus spritzwütigen Veterinärs geraten. Er vertrat die „Magen- Darmgrippe-Theorie“. Ein besonders schlimmer Vertreter seines Berufsstandes, stets die Dollarzeichen in den Augen. Seine oberste Regel: Der Hund muss immer mit, auch wenn er nicht untersucht wird und man eigentlich nur den Harn für weiterführende Untersuchungen vorbeibringen wollte. Die Begründung: Ohne Hund kann man keine Ordinationsgebühr verlangen. Nachdem mein zweiter Hund nie von dieser sogenannten Magen- Darmgrippe betroffen war und Coco nun schon fast monatlich von ihm „behandelt“ wurde, beschloss ich, aus diesem „Wahnsinn“ einfach auszusteigen. 

 

Auch eine junge, sehr freundliche und engagiert wirkende Tierärztin war trotz Schilderung der immer wiederkehrenden Symptome nicht gewillt, der Sache auf den Grund zu gehen. Eines muss man ihr allerdings zugute halten, sie fackelte nicht lange herum und sagte schon beim ersten und verständlicherweise auch letzten Besuch bei ihr, gerade heraus, dass sie keine Ahnung habe, was dem Hund fehlen könnte. Ich sollte Huhn mit Reis verfüttern und abwarten. Ratlos und um ganze 36 Euro leichter verließ ich die Praxis. Ich könnte noch endlos Beispiele dieser Art bringen, das würde allerdings den Rahmen sprengen.

 

Persönlich habe ich in diesem Jahr bis zur Diagnose auch etwas mitgenommen, ich höre jetzt wieder mehr auf mein Bauchgefühl. 

 

Auch Tierärzte müssen Geld verdienen, keine Frage. Aber sie sollten dies nicht auf Kosten der Gesundheit ihrer Patienten tun und die Unkenntnis der Besitzer dieser Tiere für ihre Zwecke nutzen. Sie dürfen auch niemals vergessen, dass es sich bei ihren Patienten um Lebewesen handelt, die für ihre Menschen enorm wertvoll sind. Jene Tierärzte, die ich in jenem Jahr aufgesucht habe, sollten sich ein wenig an ihren Kolleginnen und Kollegen orientieren, die diesen Beruf ernst nehmen, der Sache auf den Grund gehen und den Patienten nicht nur als reine Einnahmequelle sehen. Solche Tierärzte gibt es glücklicherweise auch noch.


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