Canicrosser Markus Gerstl im Interview: "Wenn der Hund beim Sport auf dich achtet, dann ist das sehr schön" 

Canicrosser Markus Gerstl im Interview: "Wenn der Hund beim Sport auf dich achtet, dann ist das sehr schön"

 

Markus Gerstl ist Wiens Pionier im Zughundesport und der erfahrenste und erfolgreichste Canicrosser Österreichs. Ich habe ihn und seinen Hund Finn, einen fünf Jahre alten Langhaar-Weimaraner, im Wiener Cafe Prückel getroffen und mit ihm bei einer Tasse Tee über einen Sport gesprochen, der in Österreich noch in den Kinderschuhen steckt...

 

Was versteht man unter Canicross? 

Canicross ist Laufen mit Hund. Im Unterschied zum normalen Laufen ist der Mensch mit dem Hund aber durch eine spezielle Leine verbunden und das Tier läuft immer vorne. Durch den Zug des Hundes beschleunigt man auf Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h, die kann man als Läufer normalerweise nicht erreichen. Der Hund sollte beim Canicross aber auf jeden Fall die Kommandos „schneller“ und „langsamer“ können. Ein großer schwerer Hund kann das drei- bis fünffache von seinem Körpergewicht an Zugkraft ausüben. Bei einem 50 kg schweren Hund sind das schon mal bis zu 250 kg Zug. Da kann es dann schon schwierig werden, auf den Beinen zu bleiben. Bei leichteren Hunden mit 10 oder 20 kg kann die Zugkraft beim bergauf laufen aber gut unterstützen.

 

Woher kommt dieser in Österreich eher nicht so bekannte Sport eigentlich?

Canicross ist in Frankreich von Tierärzten erfunden worden. In Frankreich gibt es da schon eine große Szene. Bei der Tour des Montagnes gehen auch schon mal 400 Läufer an den Start. Aber auch in Deutschland ist der Sport mit 150 Startern pro Rennen bereits sehr populär. Es muss aber noch einiges an Arbeit geleistet werden, um Canicross auch hierzulande bekannter zu machen.

 

Wie bist du auf den Laufsport mit Hunden gekommen?

Ursprünglich komme ich als Mountainbiker ja aus dem Radsport, bin aber auch früher immer schon gelaufen. Als unser Hund Finn bei uns einzog, wollte ich das einfach verbinden. So bin ich dann auf Canicross gestoßen. Es ist letztendlich auch oft eine Zeitfrage. Bei anderen Hundesportarten wie beispielsweise Agility braucht man immer einen geeigneten Ort als Übungsplatz. Bei Canicross ist man flexibel, man kann immer und überall mit seinem Hund laufen, auch im Urlaub. Zusätzlich ist bei Canicross die Verletzungsgefahr für den Hund, im Gegensatz zu einigen anderen Hundesportarten, sehr gering.

 

Wie kann man nun als Anfänger am besten starten? 

Da sich niemanden fand, der mit mir um 5 Uhr morgens auf der Donauinsel trainieren wollte, haben Finn und ich mit einem ferngesteuerten Auto begonnen. In der rechten Hand die Fernbedienung, Finn vorne und ich dahinter. Ich habe das Auto immer ein paar Meter vorfahren lassen und Finn, wenn er dem Auto nachgerannt ist, bestätigt. Nach fünf Trainings hat es dann geklappt. Für Anfänger ist diese Methode aber etwas mühsam. Am besten trainiert man wahrscheinlich in einer Gruppe, da lernen die Hunde voneinander. Auch ein natürlicher Untergrund ist beim Laufen besser als Asphalt oder Beton. Ganz wichtig ist aber, dass weder Mensch noch Hund überfordert werden. Es soll ja Freude machen.

 

Braucht man eine spezielle Ausrüstung für diesen Sport?

Neben guten Laufschuhen braucht man ein auf den Hund angepasstes Zuggeschirr, das man maßschneidern lassen kann, eine Leine mit Rückdämpfer und einen Hüftgurt für den Menschen. Eine wirklich sehr hochwertige Ausrüstung kostet maximal 150 Euro. Wobei man die Zugleine bei starker Beanspruchung aber einmal jährlich wechseln sollte. Canicross kann man also nicht nur überall ausüben, es ist auch ein extrem günstiger Sport. 

 

Kann man Canicross auch mit kleinen Hunden ausüben? 

Natürlich, die sind ja auch schnell. Da muss man nur als Mensch etwas mehr machen, oder man ist eben langsamer. Den Hunden macht es trotzdem viel Spaß, auch den kleinen.

 

Canicrosser Markus Gerstl im Interview: "Wenn der Hund beim Sport auf dich achtet, dann ist das sehr schön"

Du betreibst Canicross mit deinem Hund Finn. Wie wirkt sich der Sport auf euch als Team aus?

Finn war knappe eineinhalb Jahre alt, als wir mit Canicross begannen. Der Hund lernt mit dem Menschen zusammen zu arbeiten. Es entsteht eine extreme Verbindung, die immer stärker wird. Bei den ersten Rennen war ich immer total überwältigt, wie sehr Finn auf mich achtet. Wenn du Gefahr läufst zu stürzen, dein Hund bleibt stehen, schaut dich an und läuft erst dann weiter, wenn du ihm das Kommando gibst, dass alles in Ordnung ist, dann ist das sehr schön. 

 

Ist Finn dein erster Hund?

Ja, ich habe immer gesagt, wenn ich mir einen Hund nehme, dann sollten die Rahmenbedingungen passen und auch die nötige Zeit dafür da sein. Der Hund sollte auch in den Sport eingebunden werden und nicht alleine zu Hause sitzen, während ich Sport betreibe. 

 

Gibt es neben Canicross auch noch andere, ähnliche Sportarten?

Canicross ist die Königsdisziplin im Zusammenspiel von Hund und Mensch. Es gibt aber auch die aus den nördlichen Ländern kommenden Varianten wie Bikejøring mit dem Fahrrad,  Scooterjøring auf einem Scooter, am besten einem geländegängigen und Skijøring mit Langlaufskiern. 

 

Finden auch in Österreich Canicross-Wettbewerbe statt?

Ja, ich organisiere selbst zwei Rennen. Eines in der Prater Hauptallee beim Heustadlwasser und auch auf der Trabrennbahn in Baden finden regelmäßig Rennen statt. Zum Start zugelassen sind Hunde ab 12 Monaten. Es war aber nicht immer ganz einfach. Zuerst musste ich einmal zur MA 60 (Veterinärdienst und Tierschutz der Stadt Wien/Anm. d. Red.) gehen und eine Menge an Aufklärungsarbeit über diesen in Österreich noch weitgehend unbekannten Sport leisten.   

 

Hast du ein bestimmtes Ziel, das du beim Canicross mit Finn noch unbedingt erreichen willst?

Nein, ich habe mit Finn schon alle sportlichen Ziele erreicht. Wir waren zweimal  bei einer EM in der Schweiz und auch einmal in Frankreich und lagen international immer im Mittelfeld. Da bin ich schon sehr zufrieden. Dieser Sport ist für mich ein Hobby, wichtig ist nur der Spaß an der Sache und dass für den Hund kein Leistungsdruck entsteht. Wenn Mensch und Hund bei diesem Sport glücklich sind, dann ist das Erfolg genug für mich. 

 

Lieber Markus, danke für dein schönes Schlusswort und dieses spannende und überaus informative Gespräch. 

 

Mehr zum Hundelaufsport Canicross sowie Termine und Workshops sind unter www.speedrunners.at zu finden. Anfänger bekommen hier einen ersten kleinen Einblick.


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Kommentare: 2
  • #1

    Francis (Montag, 22 Februar 2016 09:59)

    Großartiges Interview! Der Mann ist mir sympathisch :-)

  • #2

    Noélle (Samstag, 02 Juli 2016 08:47)

    Ein guter Einblick in diesen speziellen Sport! Danke für das Interview! Markus ist ein sehr sympathischer und bescheidener Mensch!