Scheidungskind auf vier Pfoten

Die Scheidung von Herrchen und Frauchen tut auch dem Familienhund weh. Und auch die Trennung vom geliebten Haustier kann mitunter mehr schmerzen, als die Trennung vom ehemals geliebten Partner.

 

Mit einer Scheidung sind zu meist zahlreiche rechtliche ­Fragen wie Ehewohnung, nachehelicher Unterhalt des Ehepartners, Unterhalt/Obsorge und Kontaktrecht für Kinder sowie die Aufteilung ehelicher Ersparnisse bzw. Schulden etc. verbunden...

Insbesondere bei Hundehaltern stellt sich eine weitere zu klärende Frage,  nämlich: Wer bekommt den Hund?

 

Fakt ist, dass wenn eine ehemalige Liebesgeschichte vor dem Scheidungsrichter endet, der vierbeinige Liebling nicht immer die besten Karten „in der Pfote“ hat, denn bis dato gibt es im österreichischen Recht noch keine gesetzlichen Bestimmungen, welche in Anlehnung an Kinder die Obsorge, Unterhaltszahlungen oder das Kontaktrecht für Haustiere regeln würden.

 

Tiere sind zwar keine Sachen, doch sind auf sie im österreichischen Recht die für Sachen geltenden Vorschriften anzuwenden (§285a ABGB), wenn - wie auch im Fall einer Scheidung - keine Sonderreglungen bestehen.

 

Das heißt, im Aufteilungsverfahren nach einer strittigen Scheidung unterliegt der Familienhund, welcher während der Ehe angeschafft wurde, der im österreichischen Recht so genannten  „Aufteilung“, und das Gericht muss nach den Grundsätzen der Billigkeit entscheiden, welchem der Ehegatten der Familienhund zugesprochen wird. In der Regel, bekommt das Tier jener Ehegatte, der die stärkere emotionale Bindung, und auch zukünftig die besseren Fürsorge- und Haltungsmöglichkeiten nachweisen kann. Insbesondere wird das Gericht berücksichtigen, wer sich um den Hund zukünftig besser kümmern kann.

 

So wird zum Beispiel, in jenem Fall, wo etwa – um ein gängiges Klischee auch hier zu erfüllen – der Ehemann Frau, Kinder und Hund verlässt und aus der früheren gemeinsamen Ehewohnung auszieht, während Frau und Kinder sowie der Familienhund  in der ehemaligen Ehewohnung verbleiben, der Richter wohl der Ehefrau das Tier zusprechen, sofern dies auch für die Kinder und den Hund die beste Lösung ist.

 

Aber es kann auch zum Beispiel die berufliche Situation ausschlaggebend sein.

 

Wenn zum Beispiel einer der Ehegatten den Hund mit zur Arbeit nehmen darf, nicht voll beschäftigt ist oder auch von zu Hause aus arbeiten kann bzw. auch andere Familienmitglieder auf den Hund aufpassen und sich mit ihm beschäftigen können, wird das Gericht wohl diesem den früheren Familienhund zusprechen. Hat das Gericht den Hund sodann einem der beiden früheren Ehegatten abschließend zugesprochen, so stehen dem anderen Ehegatten dann allerdings keine wie immer gearteten Rechte, wie z.B. „Besuchs - oder Obsorgerecht“ mehr zu. Man kann also abschließend festhalten, dass indirekt im Interesse des Tieres entschieden werden wird.

 

Anders ist der Fall, wenn der Freund auf vier Pfoten schon vor der Eheschließung von einem der beiden Ehegatten angeschafft und in die Ehe eingebracht wurde oder während aufrechter Ehe geerbt bzw. geschenkt wurde. Ein weiterer Ausnahmefall und somit nicht der Aufteilung unterliegend ist, wenn das Tier zur Berufsausübung dient, zum Beispiel als Rettungshund. In diesen Fällen steht dem jeweiligen Ehegatten nämlich auch nach der Scheidung das Tier alleine zu.

 

Wiederum anders kann es sich bei einer einvernehmlichen Scheidung verhalten. In diesem Fall ist es Vereinbarungssache zwischen den ehemaligen Ehegatten, wer den Hund zukünftig behalten darf. Denkbar ist auch, dass man sich insbesondere bei Hunden zukünftig abwechselnd um diesen kümmert, und entsprechende „Besuchsrechte“ und dergleichen vereinbart. Ob eine derart vereinbarte einvernehmliche Lösung für alle Beteiligten die beste Lösung ist, ist natürlich jeweils vom Einzelfall abhängig.

 

Fazit: Auch wenn mitunter bei einer Scheidung die Wogen und Emotionen hoch gehen, sollten die ehemaligen Ehegatten dennoch Vernunft, Sensibilität und Verantwortung zeigen. Denn auch an unseren vierbeinigen Freunden geht eine Trennung nicht spurlos vorüber und empfinden auch sie den Verlust eines Sozialpartners schmerzhaft und sollten daher  - genau wie Kinder  - nicht zu einem Streitobjekt werden.

 

Daher ist es meines Erachtens auch in jedem Fall sinnvoll, bei einer Scheidung Stolz und persönliche Empfindlichkeiten zurückzustellen und sich zum Wohle des Tieres für eine einvernehmliche Lösung zu entscheiden. Eine einvernehmliche Lösung verbunden mit einem regelmäßigen Besuchsrecht jenes Ehegatten, bei dem das Tier nicht ständig zur Betreuung ist, kann zudem auch in Zukunft, wenn man z.B. ohne dem heiß geliebten Vierbeiner auf Urlaub fahren möchte oder in einem Krankheitsfall sehr sinnvoll und hilfreich sein.

 

P.S: Zuvor ausgeführtes gilt nicht nur für Hunde sondern auch für Katzen und andere Haustiere.

Expertenbeitrag von Rechtsanwalt Mag. Georg Thalhammer

Mag. Georg Thalhammer ist seit 1997 in seiner Kanzlei in der Wiener Innenstadt als selbständiger Rechtsanwalt in straf- und zivilrechtlichen Fragestellungen und seit 2001 auch im Bereich Scheidungs- und Familienmediation tätig.

Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Dennoch kann der Autor für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen sowie die aus deren Verwendung entstandenen Schäden keine Haftung übernehmen. Die Informationen sind unverbindlich und stellen keinesfalls eine Rechtsberatung im Einzelfall dar oder können eine solche ersetzen.


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