Hund im heißen Auto - was tun?

Expertenbeitrag von Rechtsanwalt Mag. Georg Thalhammer

Wenn man einen Hund bei sommerlichen Temperaturen allein in einem abgestellten Auto vorfindet, sollte man als besorgter Mensch dennoch versuchen einen kühlen Kopf zu bewahren und zunächst die Situation genau einschätzen.

 

Je nachdem, welche Außentemperatur herrscht, wie sehr das Auto direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, ob ein oder mehrere Fenster geöffnet sind, der Hund...

eine Trinkmöglichkeit hat und natürlich in welchem Zustand sich das Tier konkret befindet, können unterschiedliche Vorgehensweisen zu beachten bzw. zulässig sein.

 

Zeigt der Hund noch keine merkliche Beeinträchtigung und scheint eine akute Gefährdung innerhalb kürzester Zeit nicht gegeben (z.B. weil geöffnete Fenster, Trinkmöglichkeit, keine direkte Sonneneinstrahlung), kann zuerst einmal versucht werden, den Fahrzeuglenker ausfindig zu machen. Ist das Fahrzeug beispielsweise vor einem Supermarkt oder Geschäft abgestellt, könnte dies durch Ausrufen lassen geschehen, in anderen Fällen können möglicherweise Anrainer Auskunft über den Aufenthaltsort des Fahrzeuglenkers geben.

 

Kann der Fahrzeuglenker nicht ausfindig gemacht werden und zeigt der Hund bereits Anzeichen einer Beeinträchtigung durch die hohen Temperaturen bzw. scheint eine akute Gefährdung innerhalb kurzer Zeit (z.B. wegen hoher Außentemperaturen, starker Sonneneinstrahlung, geschlossener Fenster, keiner Trinkmöglichkeit) gegeben, so sollte umgehend die Polizei unter der Notrufnummer 133 verständigt werden. Diese ist, da es sich bei einer akuten Gefährdung des Lebens des Hundes jedenfalls um einem Verstoß gegen § 5 des Tierschutzgesetzes handelt, sodann befugt den Hund im Notfall auch durch eine gewaltsame Öffnung des Fahrzeugs aus diesem zu befreien, um die Verwaltungsübertretung zu beenden.

 

Nicht ganz so eindeutig ist die rechtliche Situation bei einer Befreiung des Hundes durch Privatpersonen. Grundsätzlich stellen nämlich das Einschlagen einer Scheibe oder sonstige Beschädigungen des fremden Fahrzeugs den Straftatbestand der Sachbeschädigung (§ 125 StGB) dar.

 

Da nun aber im rein rechtlichen Sinn Tiere zumeist -mit Ausnahme von wenigen Sonderbestimmungen- auch nur als Sachen angesehen werden, kann es im Einzelfall sehr von der konkreten Situation und schließlich vom entscheidenden Richter abhängen, ob die Schädigung der einen Sache (Fahrzeug) zur Rettung der anderen Sache (Hund) als rechtfertigende oder zumindest entschuldigende Notstandshandlung beurteilt bzw. eine mutmaßliche Einwilligung des Fahrzeughalters angenommen wird (und damit straffrei ist) oder nicht.

 

Ebenso könnte der uneinsichtige Fahrzeughalter mangels Einwilligung und bei Nichtvorliegen eines sonstigen Rechtfertigungsgrundes zivilrechtlich auch Schadenersatz für die kaputte Fensterscheibe oder sonstige im Zuge der Befreiung entstandene Beschädigungen des Fahrzeugs verlangen.

 

Zusammengefasst stellt das eigenmächtige Befreien des Hundes durch Privatpersonen durch Beschädigung des Fahrzeuges, in dem sich der Hund befindet, ein gewisses rechtliches und wirtschaftliches Risiko dar, sodass zumindest bei nicht akuter Beeinträchtigung des Hundes nicht überstürzt gehandelt werden, sondern nach Möglichkeit zuerst der Fahrzeuglenker ausfindig gemacht bzw. die Polizei gerufen werden sollte. 

Mag. Georg Thalhammer ist seit 1997 in seiner Kanzlei in der Wiener Innenstadt als selbständiger Rechtsanwalt in straf- und zivilrechtlichen Fragestellungen und seit 2001 auch im Bereich Scheidungs- und Familienmediation tätig.

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Kommentare: 1
  • #1

    Balaban (Dienstag, 18 August 2015 14:51)

    Ich habe damals die Polizei gerufen und die haben nichts unternommen- haben gesagt dass sie zwischendurch vorbei fahren und schaun werden in der Besitzer kommt ! Nach 45 min ca Jan der Besitzer und nichts ist passiert! Hätte ich mich an die Feuerwehr wenden sollen? Danke